Ein Faden im Gewebe des Lebendigen
Von der Kunst des stillen Neubeginns
„…so bist Du fort und fort gediehen
nach dem Gesetz, wonach Du angetreten.
…geprägte Form, die lebend sich entwickelt.“
Johann Wolfgang von Goethe
Das Lebendige, diese in uns innewohnende schöpferische Lebenskraft, strebt unaufhaltsam nach Einswerdung. Durch diese strebende Kraft reifen und wachsen wir, durch unser Sein, durch das was wir erleben und wie wir dem Leben begegnen. Unser Wissen und unsere gelebten Erfahrungen erweitern sich stetig, denn wir können nicht nicht lernen. Ob bewusst oder unbewusst: das Lernen hört nie auf. Doch das meiste davon verbleibt und wirkt im Verborgenen, versinkt tief ins Unbewusste, abgelegt und archiviert, aber nicht vergessen, manchmal vergraben, oft verschüttet.
Und genau dort beginnt das Drama: Diese Prägungen, das tiefe Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit und all die längst vergessenen Geschichten wirken in uns fort. Sie hindern uns daran, uns dem Fluss des Lebens hinzugeben und dem Urgrund des Seins mit Weite und offenem Herzen zu begegnen. Stattdessen begrenzen wir uns immer wieder selbst, aus dem Wunsch nach Wiederholbarkeit und dem trügerischen Gefühl von Sicherheit. Stillstand kann erstaunlich bequem sein. Und genau das macht ihn so verführerisch.





