Inhalt dieses Artikels Was Angst mit dem Gehirn macht Warum negative Nachrichten gewinnen Wenn Cortisol das Denken übernimmt Angst als Hinweis für fehlende Information Wie man aus der Spirale aussteigt Drei Werkzeuge mit belastbaren Daten Denkraum · Gehirn & Digitalisierung Angst, die stille Fessel: Wie ein Gefühl uns lenkbar macht Macht Angst uns zu Sklaven der Umstände? Die Frage klingt vielleicht etwas zugespitzt, trifft aber einen wesentlichen Punkt und beschreibt…
Jahrtausende geformt für das Überleben in kleinen Gruppen
250 Jahre alt ist die moderne Demokratie
10 s bis das Urteil gefallen ist
Zehn Sekunden, die entscheidend sind
Jeder kennt das.
Jemand sagt das falsche Wort. Oder das richtige Wort im falschen Ton. Und schon ist es passiert: die Schultern ziehen sich hoch, der Blick wird kühler, der Gedanke formt sich noch bevor er gedacht wurde. Die gehört nicht dazu. Der denkt falsch. Mit denen rede ich nicht.
Kein Argument wurde ausgetauscht. Keine einzige Information verarbeitet. Und trotzdem ist das Urteil längst gefallen. Es geht so schnell, zehn Sekunden, mehr braucht es nicht.
Das ist kein persönliches Versagen oder eine charakterliche Schwäche.
Das ist Neurobiologie in Aktion.
Unser Gehirn tut in diesem Moment genau das, wofür es über Jahrtausende optimiert wurde: Es erkennt blitzschnell, wer zur Gruppe gehört und wer nicht. Es bewertet, sortiert, entscheidet. In einer Zeit, in der diese Fähigkeit über Leben und Tod entscheiden konnte, war das ein Überlebensvorteil. In einer Demokratie, in der wir mit Menschen zusammenleben und zusammenentscheiden müssen, die anders denken, anders glauben, anders fühlen, wird dieselbe natürliche Fähigkeit zum Stolperstein für eine objektive Kommunikation.
Die Neurowissenschaft hat dafür längst einen Namen. Liya Yu, neuropolitische Philosophin an der Schnittstelle von Gehirnforschung und Politikwissenschaft, nennt es neuropolitische Dissonanz: die Lücke zwischen dem, was unsere Gehirne von Natur aus tun, und dem, was moderne Gesellschaften von ihnen verlangen.
Manchmal reicht ein einziger Satz, um innezuhalten. Der folgende stammt aus einer der ältesten philosophischen Traditionen Indiens und wurde mir vor kurzem zugetragen. Er hat mich nicht mehr losgelassen, nicht weil er eine Antwort liefert, sondern weil er zum Hinterfragen auffordert.
„In the infinite consciousness, in every atom of it, universes come and go like particles of dust in a beam of sunlight that shines through a hole in the roof. These come and go like ripples on the ocean.“
„Im unendlichen Bewusstsein, in jedem seiner Atome, entstehen und vergehen Universen wie Staubkörner in einem Sonnenstrahl, der durch ein Loch im Dach fällt. Sie kommen und gehen wie Wellen auf dem Ozean.“
Zugeschrieben wird der Satz Vasistha, überliefert in der Yoga Vasistha, einem der umfangreichsten philosophischen Texte des Advaita Vedanta. Die englische Fassung, in der er heute zirkuliert, stammt aus der Übersetzung von Swami Venkatesananda, veröffentlicht unter dem Titel Vasistha’s Yoga.
Das Bild, das hier gezeichnet wird, scheint einfach und offenbart doch eine ungeheure Weite. Universen, ganze Welten, werden zu Staubkörnern verkleinert, die kurz im Licht aufleuchten und wieder verschwinden. Nicht das Universum ist demnach das Größte, sondern das Bewusstsein, in dem es erscheint. Zwei Fragen drängen sich sofort auf. Leben wir tatsächlich in einem von vielen Universen? Und was genau ist das Bewusstsein, von dem hier die Rede ist?
Schon wenige Minuten Meditation am Tag können messbare Veränderungen im Gehirn bewirken. Was Praktizierende seit Jahrhunderten aus eigener Erfahrung berichten, wird heute durch moderne Hirnforschung, bildgebende Verfahren und Langzeitstudien gestützt. Die Forschung zeigt, wie Meditation Aufmerksamkeit, Emotionen und sogar die Struktur des Gehirns beeinflusst und welche Prozesse dabei tatsächlich ablaufen.
„Der Fluss ist ursprünglich, in dem die Einheit lebt; das einig Eine, das in sich selbst in dunkler Stille schwebt, ist ohne Bedürfen.“
Meister Eckhart
Herbstliche Blätter, wirbelnde Farbenwunder, fallen reif und leicht der Erde zu. Der letzte Glanz, vom Regen darauf gezaubert, geben sich die Blätter dem Erdreich hin, verschmelzen mit dem Wurzelwerk, um als Nahrung für die nächste Pracht zu dienen. In dieser Stille berühren sich das Ewige und das Eine, um ineinander zu verschmelzen, und dann in seinem Jahreszeitentanz erneut die Fülle zu zelebrieren.
Digitale Gesellschaft · Neurobiologie · Serie · Teil 4
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Mit KI erstellt.
Wie Erfahrungen unsere Gene verändern
Deine Gene sind nicht dein Schicksal. Was du erlebst, wie du lebst, was du fühlst, was du wiederholt denkst, das alles hinterlässt molekulare Spuren und beeinflusst die epigenetischen Prozesse nachhaltig. Die gute Nachricht: Diese Spuren lassen sich beeinflussen und sind veränderbar.
Der Ausgangspunkt – Epigenetik
Gleiche Gene, zwei Leben, ein verblüffender Befund
Stell dir zwei eineiige Zwillinge vor. Gleiche DNA, Zeile für Zeile, Buchstabe für Buchstabe identisch. Sie wachsen im selben Haushalt auf, essen dieselbe Schulkantine-Kost, hören dieselbe Musik. Als Kinder sind sie biologisch kaum zu unterscheiden.
Dreißig Jahre später sieht die Sache anders aus. Der eine lebt in einer Stadt, arbeitet im Schichtdienst, schläft schlecht, bewegt sich wenig, scrollt abends durch sein Smartphone bis tief in die Nacht. Der andere ist Lehrer auf dem Land, geht täglich eine Stunde spazieren, pflegt tiefe Freundschaften, hat seit Jahren eine Meditationspraxis.
Wenn Wissenschaftler jetzt die DNA beider untersuchen, finden sie etwas Überraschendes. Die Sequenz, also der genetische Code selbst, ist noch immer identisch. Aber welche Gene aktiv sind, welche schweigen, welche Schalter an- oder ausgestellt wurden, das hat sich auseinander entwickelt. Messbar, nachweisbar, signifikant.
Genau das zeigte Mario Fraga von der Universität Oviedo 2005 in einer wegweisenden Studie, die im Fachjournal PNAS veröffentlicht wurde. Junge eineiige Zwillinge sind epigenetisch nahezu identisch. Ältere Zwillinge mit unterschiedlichen Lebensstilen weichen deutlich voneinander ab. Ihre Gene sind dieselben. Aber ihr Erbgut, funktional betrachtet, hat sich durch das Leben verändert.
Wie ist das möglich? Die Antwort heißt Epigenetik.
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