Die Vergangenheit weicht zurück

Zeitportal der Gegenwart

Es gibt nur die Gegenwart und die Vergangenheit weicht vor ihr zurück. Unbekannt

Wo lassen wir all die Zeit? Sie gleitet durch unsere Hände, kaum dass wir sie bemerken. Im Vorübergehen vergessen wir uns selbst, wie einen Regenschirm, den man achtlos stehen lässt, überlassen an Wind und Wetter, an die äußeren Bedingungen des Augenblicks.

Es ist ein stilles Versäumnis. Kein dramatischer Bruch, sondern ein allmähliches Abdriften. Wir leben, aber wir sind nicht wirklich anwesend. Was uns bewegt, sind selten die Dinge, die gerade geschehen, sondern meist jene, die längst vergangen sind.

Die Vergangenheit bestimmt unsere Entscheidungen, oft ohne dass wir es merken. Sie legt sich wie ein Filter über das Gegenwärtige, trübt das immer wieder Neue und Lebendige, färbt das Leben ein mit den Farben des Gewesenen. Was wäre, wenn wir dem Heute, dem Jetzt, begegnen würden, wie es sich uns heute genau jetzt zeigt, ohne den eingefärbten Blick aus dem Gestern?

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Der Gott, dem wir unser Gehirn opfern

Digitale Gesellschaft · Neurobiologie · Serie · Teil 1

Serie

5 Artikel in dieser Serie

Der Gott, dem wir unser Gehirn opfern - Digitalisierung
Mit KI erstellt.

Neurobiologie · Kreativität · Digitale Gesellschaft · Kritik & Ausblick

Der Algorithmus hat Religion ersetzt, soziale Medien sind seine Kathedralen, und wir zahlen den Zehnten in einer Währung, die wir noch nicht vollständig begreifen: unserer neuronalen Kapazität.

Eine neue Gottheit mit präzisen Priestern

Religionen bieten Rituale, Gemeinschaft, Glaubenssätze und das Versprechen von Bedeutung. Der moderne Algorithmus tut dasselbe, nur mit einer Präzision, die keinem menschlichen Klerus je gelungen wäre. Das tägliche Scrollen ist das Morgengebet. Der Like ist die Kommunion. Die Filterblase ist der Katechismus, der entscheidet, was wahr ist und was Häresie.

Das wäre alles noch erträglich, wenn der Preis nur Zeit wäre. Aber er ist es nicht. Was wir abgeben, ist fundamentaler: kognitive Fähigkeit, Aufmerksamkeitstiefe, kreatives Potenzial. Und das Gehirn, so lehrt uns die Neurobiologie, vergisst nicht zu vergessen, was es nicht mehr braucht.

„Use it or lose it“ ist keine Motivationsparole. Es ist dokumentierte Biologie, und sie gilt für jeden Cortex auf diesem Planeten.

Der neurobiologische Befund

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Gewogen und zu leicht befunden – Über die Leichtigkeit eines reinen Herzens

Gewogen und zu leicht befunden - rolandgehweiler.de

Die Halle der Wahrheit – Die Feder der Maat

Wenn die letzte Stunde kam und die Seele den Körper verließ, wurde sie hinabgeführt in die Halle der zwei Wahrheiten.
Dort wartete Anubis, der Gott der Toten und Hüter der Schwelle, mit einer Waage aus Gold. Auf einer Seite die Feder der Maat, der Göttin der Wahrheit, der Gerechtigkeit, des Gleichgewichts und der kosmischen Ordnung, leicht wie ein Atemzug, weiß wie die Wahrheit selbst. Auf der anderen das Herz. Jenes Herz, das geliebt und versagt, getragen und sich abgewandt hatte.
Die Waage sprach ohne Worte.
Ein Herz, gelebt in Mitgefühl und Verantwortung, durfte eintreten. Ein Herz, schwer von Gleichgültigkeit und Hochmut, nicht.

Doch warte. Ist da nicht etwas, das nicht stimmt? Ein schweres Herz, belastet von versäumten Gelegenheiten, von Reue und Schuld, soll scheitern? Das klingt nach Ungerechtigkeit. Und genau hier beginnt das Paradox.

Das Herz, das zu spät begreift

Stellen wir uns einen Menschen vor in seiner letzten Stunde. Die Bilder des Lebens ziehen vorbei, nicht jene der Triumphe, sondern jene der versäumten Momente. Der Freund, dem man nicht zugehört hat. Die Hand, die man nicht gereicht hat. Die Worte, die man nicht gesprochen hat, obwohl man sie hätte sprechen können.
Die Schwere des Herzens ist keine Strafe von außen. Sie ist selbst erzeugt, angesammelt, Moment für Moment, überall dort, wo man wegsah, schwieg oder wartete.
In diesem Moment entsteht etwas Merkwürdiges: Das Herz füllt sich mit Reue. Und Reue ist schwer. Sie drückt, sie lastet, sie wiegt.
Aber ist das nicht ein Zeichen von Einsicht? Von Tiefe? Von moralischem Empfinden? Ja. Und genau darin liegt das Paradox.
Die Reue selbst ist kein Makel. Sie ist der Beweis, dass das Gewissen noch lebt. Aber ein Gewissen, das erst in der letzten Stunde erwacht, hat sein Leben lang geschwiegen. Und dieses Schweigen ist das eigentliche Urteil.

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Manchmal fliesst die Zeit

Manchmal fließt die Zeit - rolandgehweiler.de

Ist es nicht seltsam wie schnell die Zeit zu vergehen scheint?

Ist es nicht erstaunlich, wie die Zeit durch unsere Hände rinnt? Wie feiner Sand, den wir festhalten möchten und doch nicht bewahren können. An manchen Tagen scheint die Zeit stillzustehen, eingehüllt in die Ruhe eines einzigen Augenblicks. Dann wieder entfaltet sie ihre Flügel und trägt Stunden, Wochen und Monate davon, als wären sie nur ein Atemzug.

Und irgendwann blicken wir auf von dem, was uns beschäftigt hat, und spüren ein leises Staunen: Wo ist dieser Tag geblieben? Wann wurde aus dem Frühling Sommer, aus gestern Erinnerung? Und wie konnte ein ganzes Jahr vergehen, ohne dass wir sein Verschwinden wirklich bemerkt haben?

So ist jeder Moment ein Beginnen. Dieser Augenblick ist ein solcher. Dieser Atemzug ebenso. Neu, unverbraucht, noch nie dagewesen. Was auch immer vorher war, dieser Moment wurde noch nie belebt, erspürt, noch nie ins Sein geatmet. Das kann nur im Jetzt geschehen.

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Betrachten statt planen

Betrachten statt planen - rolandgehweiler.deBetrachten statt planen. Sich dem Augenblick zuwenden, ohne ihn in Entwürfe, Erwartungen oder Absichten einzuspannen. Nicht vorausgreifen auf das, was sein könnte, sondern verweilen bei dem, was sich gerade zeigt. Ein offenes Erleben, im reinen Gewahrsein, durchlässig für das, was geschieht, ohne es festzuhalten oder zu formen. Dem Lebendigen verwoben, dem Wesenhaften nah, als Teil eines größeren Geschehens, das sich nicht erzwingen, sondern nur erfahren lässt.

Betrachten statt werten. Schauen, ohne sofort zu benennen, einzuordnen oder zu vergleichen. Ohne zu teilen in richtig und falsch, schön und weniger schön, bedeutsam und belanglos. Ohne zu wiegen, zu messen oder zu berechnen. Ein offenes Sehen, das die Dinge sein lässt, wie sie sind, und ihnen Raum gibt, sich aus sich selbst heraus zu offenbaren.

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Ein Faden im Gewebe des Lebendigen

Von der Kunst des stillen Neubeginns - RolandGehweiler.de

Von der Kunst des stillen Neubeginns

„…so bist Du fort und fort gediehen
nach dem Gesetz, wonach Du angetreten.
…geprägte Form, die lebend sich entwickelt.“
Johann Wolfgang von Goethe

Das Lebendige, diese in uns innewohnende schöpferische Lebenskraft, strebt unaufhaltsam nach Einswerdung. Durch diese strebende Kraft reifen und wachsen wir, durch unser Sein, durch das was wir erleben und wie wir dem Leben begegnen. Unser Wissen und unsere gelebten Erfahrungen erweitern sich stetig, denn wir können nicht nicht lernen. Ob bewusst oder unbewusst: das Lernen hört nie auf. Doch das meiste davon verbleibt und wirkt im Verborgenen, versinkt tief ins Unbewusste, abgelegt und archiviert, aber nicht vergessen, manchmal vergraben, oft verschüttet.

Und genau dort beginnt das Drama: Diese Prägungen, das tiefe Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit und all die längst vergessenen Geschichten wirken in uns fort. Sie hindern uns daran, uns dem Fluss des Lebens hinzugeben und dem Urgrund des Seins mit Weite und offenem Herzen zu begegnen. Stattdessen begrenzen wir uns immer wieder selbst, aus dem Wunsch nach Wiederholbarkeit und dem trügerischen Gefühl von Sicherheit. Stillstand kann erstaunlich bequem sein. Und genau das macht ihn so verführerisch.

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