Epigenetik – Das Wunder des Formbaren
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Wie Erfahrungen unsere Gene verändern
Deine Gene sind nicht dein Schicksal. Was du erlebst, wie du lebst, was du fühlst, was du wiederholt denkst, das alles hinterlässt molekulare Spuren und beeinflusst die epigenetischen Prozesse nachhaltig. Die gute Nachricht: Diese Spuren lassen sich beeinflussen und sind veränderbar.
Der Ausgangspunkt – Epigenetik
Gleiche Gene, zwei Leben, ein verblüffender Befund
Stell dir zwei eineiige Zwillinge vor. Gleiche DNA, Zeile für Zeile, Buchstabe für Buchstabe identisch. Sie wachsen im selben Haushalt auf, essen dieselbe Schulkantine-Kost, hören dieselbe Musik. Als Kinder sind sie biologisch kaum zu unterscheiden.
Dreißig Jahre später sieht die Sache anders aus. Der eine lebt in einer Stadt, arbeitet im Schichtdienst, schläft schlecht, bewegt sich wenig, scrollt abends durch sein Smartphone bis tief in die Nacht. Der andere ist Lehrer auf dem Land, geht täglich eine Stunde spazieren, pflegt tiefe Freundschaften, hat seit Jahren eine Meditationspraxis.
Wenn Wissenschaftler jetzt die DNA beider untersuchen, finden sie etwas Überraschendes. Die Sequenz, also der genetische Code selbst, ist noch immer identisch. Aber welche Gene aktiv sind, welche schweigen, welche Schalter an- oder ausgestellt wurden, das hat sich auseinander entwickelt. Messbar, nachweisbar, signifikant.
Genau das zeigte Mario Fraga von der Universität Oviedo 2005 in einer wegweisenden Studie, die im Fachjournal PNAS veröffentlicht wurde. Junge eineiige Zwillinge sind epigenetisch nahezu identisch. Ältere Zwillinge mit unterschiedlichen Lebensstilen weichen deutlich voneinander ab. Ihre Gene sind dieselben. Aber ihr Erbgut, funktional betrachtet, hat sich durch das Leben verändert.
Wie ist das möglich? Die Antwort heißt Epigenetik.





