Philosophische Betrachtungen, Gleichnisse, tiefe Fragen, Essayistisches

Gewogen und zu leicht befunden – Über die Leichtigkeit eines reinen Herzens

Gewogen und zu leicht befunden - rolandgehweiler.de

Die Halle der Wahrheit – Die Feder der Maat

Wenn die letzte Stunde kam und die Seele den Körper verließ, wurde sie hinabgeführt in die Halle der zwei Wahrheiten.
Dort wartete Anubis, der Gott der Toten und Hüter der Schwelle, mit einer Waage aus Gold. Auf einer Seite die Feder der Maat, der Göttin der Wahrheit, der Gerechtigkeit, des Gleichgewichts und der kosmischen Ordnung, leicht wie ein Atemzug, weiß wie die Wahrheit selbst. Auf der anderen das Herz. Jenes Herz, das geliebt und versagt, getragen und sich abgewandt hatte.
Die Waage sprach ohne Worte.
Ein Herz, gelebt in Mitgefühl und Verantwortung, durfte eintreten. Ein Herz, schwer von Gleichgültigkeit und Hochmut, nicht.

Doch warte. Ist da nicht etwas, das nicht stimmt? Ein schweres Herz, belastet von versäumten Gelegenheiten, von Reue und Schuld, soll scheitern? Das klingt nach Ungerechtigkeit. Und genau hier beginnt das Paradox.

Das Herz, das zu spät begreift

Stellen wir uns einen Menschen vor in seiner letzten Stunde. Die Bilder des Lebens ziehen vorbei, nicht jene der Triumphe, sondern jene der versäumten Momente. Der Freund, dem man nicht zugehört hat. Die Hand, die man nicht gereicht hat. Die Worte, die man nicht gesprochen hat, obwohl man sie hätte sprechen können.
Die Schwere des Herzens ist keine Strafe von außen. Sie ist selbst erzeugt, angesammelt, Moment für Moment, überall dort, wo man wegsah, schwieg oder wartete.
In diesem Moment entsteht etwas Merkwürdiges: Das Herz füllt sich mit Reue. Und Reue ist schwer. Sie drückt, sie lastet, sie wiegt.
Aber ist das nicht ein Zeichen von Einsicht? Von Tiefe? Von moralischem Empfinden? Ja. Und genau darin liegt das Paradox.
Die Reue selbst ist kein Makel. Sie ist der Beweis, dass das Gewissen noch lebt. Aber ein Gewissen, das erst in der letzten Stunde erwacht, hat sein Leben lang geschwiegen. Und dieses Schweigen ist das eigentliche Urteil.

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Ein Faden im Gewebe des Lebendigen

Von der Kunst des stillen Neubeginns - RolandGehweiler.de

Von der Kunst des stillen Neubeginns

„…so bist Du fort und fort gediehen
nach dem Gesetz, wonach Du angetreten.
…geprägte Form, die lebend sich entwickelt.“
Johann Wolfgang von Goethe

Das Lebendige, diese in uns innewohnende schöpferische Lebenskraft, strebt unaufhaltsam nach Einswerdung. Durch diese strebende Kraft reifen und wachsen wir, durch unser Sein, durch das was wir erleben und wie wir dem Leben begegnen. Unser Wissen und unsere gelebten Erfahrungen erweitern sich stetig, denn wir können nicht nicht lernen. Ob bewusst oder unbewusst: das Lernen hört nie auf. Doch das meiste davon verbleibt und wirkt im Verborgenen, versinkt tief ins Unbewusste, abgelegt und archiviert, aber nicht vergessen, manchmal vergraben, oft verschüttet.

Und genau dort beginnt das Drama: Diese Prägungen, das tiefe Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit und all die längst vergessenen Geschichten wirken in uns fort. Sie hindern uns daran, uns dem Fluss des Lebens hinzugeben und dem Urgrund des Seins mit Weite und offenem Herzen zu begegnen. Stattdessen begrenzen wir uns immer wieder selbst, aus dem Wunsch nach Wiederholbarkeit und dem trügerischen Gefühl von Sicherheit. Stillstand kann erstaunlich bequem sein. Und genau das macht ihn so verführerisch.

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Die Offene Weite – Nichts von heilig

Über Wandel, Wissen und die Kunst, mit dem Nichtwissen zu leben

Haltenhof Überlingen Bodensee

I. Der Umbruch

Die Welt ist im Umbruch. Das war sie immer, denn das Beständigste ist die Wandlung und trotzdem erschreckt uns das jedes Mal neu. Wir wünschen uns, dass es bleibt, wie es ist, wenn es uns gerade gut geht. Das ist kein Fehler, das ist menschlich. Aber dieser Wunsch verrät bereits alles: Wir wissen, dass es nicht bleibt. Und weil wir das wissen, suchen wir.

Wir suchen in rationalen Erkenntnissen und alten Weisheitslehren, im I Ging und in der Astrologie, in den Tarotkarten und im Gebet. Doch diese Systeme verdienen mehr als eine Aufzählung, sie sind grundverschieden. Die Wissenschaft sucht Wiederholbarkeit. Das I Ging arbeitet mit Resonanz, nicht mit Kausalität. Die Astrologie deutet symbolische Muster. Das Gebet setzt eine persönliche Beziehung voraus. Was sie eint, ist nicht ihre Methode, sondern unser Hunger: Wir wollen, dass das Chaos Form annimmt. Wir projizieren Bedeutung in Systeme, die uns Bedeutung zurückwerfen und nennen das Erkenntnis. Dabei übersehen wir, dass die Antwort oft schon in der Frage steckt, die wir zu stellen bereit waren.

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Wer bin ich…

Wer bin ich? Es ist schon eigenartig, wie wir uns selbst ins Leben tauchen, uns einfärben und eins werden mit der Wand, die zwischen uns und unserer vorgestellten Welt steht. Vom Herzen gehen die Dinge aus, sagt man, und doch verneinen wir unsere Sehnsucht nach dem Rhythmus und dem Gleichklang, den uns das Herz im stetigen Takt (vor)schlägt.Resonanzkörper sind wir, und dann schlägt das Denken eine Kerbe und weitet die…

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Reife und Verbundenheit, in stetiger Wiederkehr

Der Fluss ist ursprünglich, in dem die Einheit lebt; das einig Eine, das in sich selbst in dunkler Stille schwebt, ist ohne Bedürfen. Meister Eckhart Herbstlichen Blätter, wirbelnde Farbenwunder, fallen, reif und leicht der Erde zu. Der letzte Glanz, vom Regen darauf gezaubert, geben sich die Blätter dem Erdreich hin, verschmelzen mit dem Wurzelwerk um als Nahrung für die nächste Pracht zu dienen. In dieser Stille, verwandelt sich das Ewige…

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Was ist die Welt in der ich lebe?

Wann werde ich zu staunen aufhören und zu begreifen beginnen. Was bin ich? Was ist der Mensch? Was ist die Welt, in der ich lebe? Galileo Galilei Der große Astronom Galileo Galilei steht am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Er hat diesen erkenntnismäßigen Quantensprung mit Kopernikus gegen furchterregende Kräfte erst ermöglicht. Durch die Verwendung des Fernrohrs konnte er Gesetzmäßigkeiten der Bewegung der Gestirne erkennen, wo die Menschheit zuvor "nur" einen Himmel…

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