Alles erledigt, trotzdem tot
Gustavo Ferrara hatte nie eine Aufgabe unvollendet gelassen.
Die Listen auf seinem Schreibtisch waren legendär – eng beschrieben, jeder Punkt säuberlich durchgestrichen. Rechnungen bezahlt, Versprechen gehalten, Erwartungen erfüllt. An seinem sechzigsten Geburtstag saß er allein in seinem Arbeitszimmer und strich den letzten Punkt einer Liste durch, die er vor dreißig Jahren begonnen hatte. Er lehnte sich zurück und wartete auf das Gefühl, das kommen sollte.
Es kam nicht.
Auf dem Tisch lag ein Buch, das ihm seine Schwester geschenkt hatte – er hatte es nie aufgeschlagen. Er öffnete es jetzt, planlos, irgendwo in der Mitte, und sein Blick fiel auf einen einzigen Satz, der wie ein Fremdkörper zwischen den Zeilen stand: Alles erledigt, trotzdem tot.




