Gewogen und zu leicht befunden – Über die Leichtigkeit eines reinen Herzens

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Die Halle der Wahrheit – Die Feder der Maat

Wenn die letzte Stunde kam und die Seele den Körper verließ, wurde sie hinabgeführt in die Halle der zwei Wahrheiten.
Dort wartete Anubis, der Gott der Toten und Hüter der Schwelle, mit einer Waage aus Gold. Auf einer Seite die Feder der Maat, der Göttin der Wahrheit, der Gerechtigkeit, des Gleichgewichts und der kosmischen Ordnung, leicht wie ein Atemzug, weiß wie die Wahrheit selbst. Auf der anderen das Herz. Jenes Herz, das geliebt und versagt, getragen und sich abgewandt hatte.
Die Waage sprach ohne Worte.
Ein Herz, gelebt in Mitgefühl und Verantwortung, durfte eintreten. Ein Herz, schwer von Gleichgültigkeit und Hochmut, nicht.

Doch warte. Ist da nicht etwas, das nicht stimmt? Ein schweres Herz, belastet von versäumten Gelegenheiten, von Reue und Schuld, soll scheitern? Das klingt nach Ungerechtigkeit. Und genau hier beginnt das Paradox.

Das Herz, das zu spät begreift

Stellen wir uns einen Menschen vor in seiner letzten Stunde. Die Bilder des Lebens ziehen vorbei, nicht jene der Triumphe, sondern jene der versäumten Momente. Der Freund, dem man nicht zugehört hat. Die Hand, die man nicht gereicht hat. Die Worte, die man nicht gesprochen hat, obwohl man sie hätte sprechen können.
Die Schwere des Herzens ist keine Strafe von außen. Sie ist selbst erzeugt, angesammelt, Moment für Moment, überall dort, wo man wegsah, schwieg oder wartete.
In diesem Moment entsteht etwas Merkwürdiges: Das Herz füllt sich mit Reue. Und Reue ist schwer. Sie drückt, sie lastet, sie wiegt.
Aber ist das nicht ein Zeichen von Einsicht? Von Tiefe? Von moralischem Empfinden? Ja. Und genau darin liegt das Paradox.
Die Reue selbst ist kein Makel. Sie ist der Beweis, dass das Gewissen noch lebt. Aber ein Gewissen, das erst in der letzten Stunde erwacht, hat sein Leben lang geschwiegen. Und dieses Schweigen ist das eigentliche Urteil.

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Ein Faden im Gewebe des Lebendigen

Von der Kunst des stillen Neubeginns - RolandGehweiler.de

Von der Kunst des stillen Neubeginns

„…so bist Du fort und fort gediehen
nach dem Gesetz, wonach Du angetreten.
…geprägte Form, die lebend sich entwickelt.“
Johann Wolfgang von Goethe

Das Lebendige, diese in uns innewohnende schöpferische Lebenskraft, strebt unaufhaltsam nach Einswerdung. Durch diese strebende Kraft reifen und wachsen wir, durch unser Sein, durch das was wir erleben und wie wir dem Leben begegnen. Unser Wissen und unsere gelebten Erfahrungen erweitern sich stetig, denn wir können nicht nicht lernen. Ob bewusst oder unbewusst: das Lernen hört nie auf. Doch das meiste davon verbleibt und wirkt im Verborgenen, versinkt tief ins Unbewusste, abgelegt und archiviert, aber nicht vergessen, manchmal vergraben, oft verschüttet.

Und genau dort beginnt das Drama: Diese Prägungen, das tiefe Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit und all die längst vergessenen Geschichten wirken in uns fort. Sie hindern uns daran, uns dem Fluss des Lebens hinzugeben und dem Urgrund des Seins mit Weite und offenem Herzen zu begegnen. Stattdessen begrenzen wir uns immer wieder selbst, aus dem Wunsch nach Wiederholbarkeit und dem trügerischen Gefühl von Sicherheit. Stillstand kann erstaunlich bequem sein. Und genau das macht ihn so verführerisch.

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Kommunikation ist keine Einbahnstraße

Kommunikation ist keine Einbahnstrasse - RolandGehweiler.de

Ein Plädoyer für den echten Dialog und die Kunst der schöpferischen Kommunikation

Ich erlebe es immer häufiger: Worte werden gesendet, Gedanken geteilt, Fragen gestellt und dann? Stille. Kein Echo. Keine Rückmeldung. Als würde man in einen leeren Raum sprechen.
Wir leben in einer Zeit, in der Inhalte konsumiert, aber nicht verarbeitet werden. Gelesen, aber nicht beantwortet. Zur Kenntnis genommen, aber nicht reflektiert. Der eigene Standpunkt bleibt unausgesprochen, man scrollt weiter.

„Man muss einen Standpunkt haben, um den Dingen ihren Wert zuzuteilen.“ – Chinesisches Sprichwort

Ich empfinde das als eine Form von Gleichgültigkeit. Nicht immer bewusst entschieden, aber dennoch mit weitreichenden Auswirkungen auf unsere zwischenmenschliche Kommunikation. Denn Schweigen ist keine neutrale Haltung. Es ist eine innere Entscheidung.

Offene Fragen in den Raum zu stellen, ohne Antwort zu erhalten, erinnert mich an eine gestellte Rechnung, die niemand begleicht. Der Anspruch ist klar formuliert, die Einlösung bleibt aus.

Dabei ist echter Dialog keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Haltung. Er erfordert den inneren Willen, Stellung zu beziehen – zu widersprechen, zuzustimmen oder einfach zu sagen: „Ich habe es wahrgenommen.“

Ein anderer Weg

Doch ich glaube, es gibt einen anderen Weg.

Ich habe lange nach einem Begriff gesucht, der beschreibt, was mir in Gesprächen wirklich wichtig ist. Nicht das bloße Austauschen von Informationen. Nicht das Überzeugenwollen. Sondern etwas, das tiefer geht, etwas, das beide Seiten verändert.

Ich nenne es schöpferische Kommunikation.

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Die Offene Weite – Nichts von heilig

Über Wandel, Wissen und die Kunst, mit dem Nichtwissen zu leben

Haltenhof Überlingen Bodensee

I. Der Umbruch

Die Welt ist im Umbruch. Das war sie immer, denn das Beständigste ist die Wandlung und trotzdem erschreckt uns das jedes Mal neu. Wir wünschen uns, dass es bleibt, wie es ist, wenn es uns gerade gut geht. Das ist kein Fehler, das ist menschlich. Aber dieser Wunsch verrät bereits alles: Wir wissen, dass es nicht bleibt. Und weil wir das wissen, suchen wir.

Wir suchen in rationalen Erkenntnissen und alten Weisheitslehren, im I Ging und in der Astrologie, in den Tarotkarten und im Gebet. Doch diese Systeme verdienen mehr als eine Aufzählung, sie sind grundverschieden. Die Wissenschaft sucht Wiederholbarkeit. Das I Ging arbeitet mit Resonanz, nicht mit Kausalität. Die Astrologie deutet symbolische Muster. Das Gebet setzt eine persönliche Beziehung voraus. Was sie eint, ist nicht ihre Methode, sondern unser Hunger: Wir wollen, dass das Chaos Form annimmt. Wir projizieren Bedeutung in Systeme, die uns Bedeutung zurückwerfen und nennen das Erkenntnis. Dabei übersehen wir, dass die Antwort oft schon in der Frage steckt, die wir zu stellen bereit waren.

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Alles erledigt, trotzdem tot

Alles erledigt, trotzdem tot - Roland Gehweiler Gustavo Ferrara hatte nie eine Aufgabe unvollendet gelassen.

Die Listen auf seinem Schreibtisch waren legendär – eng beschrieben, jeder Punkt säuberlich durchgestrichen. Rechnungen bezahlt, Versprechen gehalten, Erwartungen erfüllt. An seinem sechzigsten Geburtstag saß er allein in seinem Arbeitszimmer und strich den letzten Punkt einer Liste durch, die er vor dreißig Jahren begonnen hatte. Er lehnte sich zurück und wartete auf das Gefühl, das kommen sollte.

Es kam nicht.

Auf dem Tisch lag ein Buch, das ihm seine Schwester geschenkt hatte – er hatte es nie aufgeschlagen. Er öffnete es jetzt, planlos, irgendwo in der Mitte, und sein Blick fiel auf einen einzigen Satz, der wie ein Fremdkörper zwischen den Zeilen stand: Alles erledigt, trotzdem tot.

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Selbstvergebung

Selbstvergebung - RolandGehweiler.de

Es ist ein großer Moment der Befreiung, wenn man lernt, sich selbst zu vergeben, die Last loszulassen und einen neuen Weg der Verheißung und der Möglichkeiten einzuschlagen.
– John O’Donohue

Ich habe lange über den Akt der Vergebung nachgedacht und darüber, ob ich mir selbst wirklich vergeben kann. Selbstvergebung beginnt natürlich bei mir. Ich muss den ersten Schritt machen, also damit beginnen, mir meine eigenen Fehler, Ungerechtigkeiten und Verletzungen erst einmal selbst zu vergeben, wenn ich wirklich geheilt werden und in den inneren Frieden zurückkehren will.

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