Betrachten statt planen

Manchmal fliesst die Zeit
Beobachten und loslassen

Betrachten statt planen - rolandgehweiler.deBetrachten statt planen. Sich dem Augenblick zuwenden, ohne ihn in Entwürfe, Erwartungen oder Absichten einzuspannen. Nicht vorausgreifen auf das, was sein könnte, sondern verweilen bei dem, was sich gerade zeigt. Ein offenes Erleben, im reinen Gewahrsein, durchlässig für das, was geschieht, ohne es festzuhalten oder zu formen. Dem Lebendigen verwoben, dem Wesenhaften nah, als Teil eines größeren Geschehens, das sich nicht erzwingen, sondern nur erfahren lässt.

Betrachten statt werten. Schauen, ohne sofort zu benennen, einzuordnen oder zu vergleichen. Ohne zu teilen in richtig und falsch, schön und weniger schön, bedeutsam und belanglos. Ohne zu wiegen, zu messen oder zu berechnen. Ein offenes Sehen, das die Dinge sein lässt, wie sie sind, und ihnen Raum gibt, sich aus sich selbst heraus zu offenbaren.

In dieser Haltung entfaltet sich eine andere Qualität der Wahrnehmung. Das Gewöhnliche verliert seine Selbstverständlichkeit, seine Bestimmbarkeit und beginnt, durchlässig zu werden. Feinste Regungen werden spürbar, Zusammenhänge erahnbar, die sich dem analytischen Zugriff entziehen. Was im Augenblick noch alles enthalten ist, übersteigt oft das, was Gedanken erfassen und Worte beschreiben können. Es bleibt ein Überschuss an Wirklichkeit, ein Mehr, das sich jeder endgültigen Formulierung entzieht.

Vielleicht lässt es sich nur annähern, niemals vollständig fassen. Denn gerade dort, wo die Sprache an ihre Grenzen gelangt, öffnet sich ein Raum unmittelbaren Erlebens. Ein Raum des Staunens, in dem nicht mehr das Verstehen im Vordergrund steht, sondern das reine Dasein selbst. Und aus diesem Staunen wächst eine stille Verbundenheit mit dem, was ist, fassungslos nicht im Sinne von Orientierungslosigkeit, sondern als berührtes Innehalten vor der Tiefe und Fülle des jeweiligen Augenblicks.

Manchmal fliesst die Zeit
Beobachten und loslassen