Die Offene Weite
Über Wandel, Wissen und die Kunst, mit dem Nichtwissen zu leben
I. Der Umbruch
Die Welt ist im Umbruch. Das war sie immer, denn das Beständigste ist die Wandlung – und trotzdem erschreckt uns das jedes Mal neu. Wir wünschen uns, dass es bleibt, wie es ist, wenn es uns gerade gut geht. Das ist kein Fehler, das ist menschlich. Aber dieser Wunsch verrät bereits alles: Wir wissen, dass es nicht bleibt. Und weil wir das wissen, suchen wir.
Wir suchen in rationalen Erkenntnissen und alten Weisheitslehren, im I Ging und in der Astrologie, in den Tarotkarten und im Gebet. Doch diese Systeme verdienen mehr als eine Aufzählung – sie sind grundverschieden. Die Wissenschaft sucht Wiederholbarkeit. Das I Ging arbeitet mit Resonanz, nicht mit Kausalität. Die Astrologie deutet symbolische Muster. Das Gebet setzt eine persönliche Beziehung voraus. Was sie eint, ist nicht ihre Methode, sondern unser Hunger: Wir wollen, dass das Chaos Form annimmt. Wir projizieren Bedeutung in Systeme, die uns Bedeutung zurückwerfen – und nennen das Erkenntnis. Dabei übersehen wir, dass die Antwort oft schon in der Frage steckt, die wir zu stellen bereit waren.

