Es ist ein großer Moment der Befreiung, wenn man lernt, sich selbst zu vergeben, die Last loszulassen und einen neuen Weg der Verheißung und der Möglichkeiten einzuschlagen. – John O’Donohue
Ich habe lange über den Akt der Vergebung nachgedacht und ob ich mir selbst wirklich vergeben kann. Selbstvergebung beginnt natürlich bei mir. Ich muss den ersten Schritt machen, also damit beginnen, mir meine eigenen Fehler, Ungerechtigkeiten und Verletzungen erst einmal selbst zu vergeben, wenn ich wirklich geheilt werden und in den inneren Frieden zurückkehren will.
All die Dinge, die ich getan habe, vielleicht aus Unwissenheit oder sogar absichtlich, um Vorteile daraus zu ziehen, Dinge, die ich immer noch in mir herumtrage, verborgen unter dem Mantel des Schweigens, verdeckt und verdrängt durch all die Schichten von Ereignissen und Begebenheiten, längst verschwunden, überwuchert von neuen und anderen Geschichten und verborgen im Nebel der Zeit. All diese Dinge drängen nach oben und gären immer noch im Untergrund und wollen ans Licht, um zu heilen, um mich wieder heil und ganz zu machen. Also habe ich meine Bedenken überwunden und mich entschlossen, mir wirklich zu vergeben, um mich freizumachen, von all den Vorstellungen eines wohlgestalteten Selbstbildes, mir einzugestehen, dass ich Fehler gemacht habe und auch machen darf und oft sogar muss, wenn ich lernen will zu leben und zu lieben. Nur wer bereit ist, Fehler zu machen, kann auch seinen Erfahrungsschatz erweitern, das vergessen wir allzu oft. Wer kommt schon perfekt auf die Welt, nicht wahr?
Ich vergebe mir selbst für alle Arten, in denen ich wissentlich oder unwissentlich einem Lebewesen oder einer Kreatur Schaden zugefügt habe. Ich vergebe allen, die ich jemals verletzt oder die mich jemals verletzt haben.
Ich vergebe mir all die Fehler, Verletzungen, Gemeinheiten, Lügen und fragwürdigen Entscheidungen, all die Schmeicheleien, um meine eigennützigen Ziele durchzusetzen. Ich vergebe mir meine Unwissenheit, weil ich jung war und mir die Erfahrung gefehlt hat, weise Entscheidungen zu treffen. Ich vergebe mir die vielen großen und kleine Lügen und Halbwahrheiten, die ich zu meinem Nutzen gedacht oder ausgesprochen habe. Ich vergebe auch all den Menschen, die mich verletzt, eingeschränkt und dominiert haben, auch sie handelten nur nach ihren Möglichkeiten. Alles zwischen uns ist jetzt geklärt. Ich spreche mich also frei und übernehme die Verantwortung für mein Handeln, ich gebe aber auch die Verantwortung an diejenigen zurück, die für ihr eigenes Handeln verantwortlich sind. Auch sie können sich verzeihen und vergeben und den Weg des Friedens gehen, eigenverantwortlich und stark, mit dem Wissen, dass es keine Schuld gibt, wenn du wahrhaft verzeihst. Das Vergeben und Vergessen gibt uns wieder Raum zum Atmen, um neue und unbelastete Erfahrungen zu machen. Dies ist der große Moment der Befreiung, um die Last loszulassen und einen neuen Weg der Verheißung und der Möglichkeiten einzuschlagen.
Vater und Mutter des Kosmos, Urgrund der Liebe!
Bereite in uns den Raum des Herzens,
dass wir Dein Licht und Deinen Klang
in Frieden erfahren.
Deine Wirklichkeit offenbare sich.
Dein Verlangen: ein Himmel und Erde,
dass wir Deine Liebe in unserer entdecken.
Gib uns Tag um Tag,
was wir an Brot und Einsicht brauchen.
Löse die Fesseln unserer Fehler,
wie auch wir freigeben,
was uns an die Verstrickung und Schuld der anderen bindet.
Führe uns in der Versuchung.
Bewahre uns vor falschem Begehren,
und befreie uns von Irrtum und Bösem.
Denn Dein ist das Reich der Liebe und des Friedens,
die Fülle des Lebens und der Klang des Kosmos,
der alles erneuert, von Weltzeit zu Weltzeit.
Ich bekräftige all dies mit meinem ganzen Sein.
Amen.
(Das aramäische VATERMUTTERUNSER)